Glaube ist gefährlich

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Hallo Leute,

heute mal ein ernstes Thema. Man soll ja über Religion nicht streiten und ich habe das auch nicht vor. Nur habe ich gerade im aktuellen Spiegel einen Artikel entdeckt, der ganz gut einige meiner Argumentationen in Bezug auf Glauben wiedergibt. Nachdem ich in der DDR null mit Glaubensfragen in Berührung gekommen bin, habe ich mich später immer gewundert warum so viele Menschen der unterschiedlichsten Konfessionen so sehr an etwas eindeutig Menschengeschaffenes wie eine Gottheit glauben können. Noch viel schlimmer: der Glaube wurde und wird immer wieder als Rechtfertigung für grausames Handeln und Behinderung von Fortschritt und Wissenschaft missbraucht. Deshalb habe ich da immer eine klare Meinung vertreten: Religion / Glaube ist gefährlich. Bisher ist meine Argumentation immer wieder an dem Zusammenhang von Abendland /Kultur / Christliche Wertvorstellungen ins Stocken geraten. Sprich, ich kam immer dann ins Straucheln, wenn das Gespräch auf den Ursprung unserer modernen Zivilgesellschaft aus dem christlichen Glauben kam. Der Biologe Dawkins hat darauf eine verblüffend simple Antwort gefunden:

SPIEGEL: „Wenn Gott nicht existierte, wäre alles erlaubt“, meinte Dostojewski. Wo wären wir ohne die christliche Ethik?

Dawkins: Unsere heutige Ethik haben wir doch gar nicht aus der Bibel. Unsere Werte – Gleichberechtigung zum Beispiel oder das Verbot von Sklaverei und Folter – haben der Schrift nichts zu verdanken. Sie sind entstanden in einem liberalen Konsens, den wir mit allen Menschen teilen, die wir zivilisiert nennen. Wenn wir unsere Ethik wirklich aus der heiligen Schrift bezögen, wäre die Welt ein entsetzlicher Ort. Wie das Afghanistan unter den Taliban.

SPIEGEL: Was ist mit der Bergpredigt?

Dawkins: Auf die beziehen Sie sich nur, weil die Bergpredigt mit Ihrem modernen liberalen Konsens übereinstimmt, während das 5. Buch Mose dies nicht tut – es sagt uns nämlich, dass wir Fremdgängerinnen zu Tode steinigen sollen.

SPIEGEL: Jeder pickt sich also das aus der Bibel heraus, was ihm passt?

Dawkins: Genau. Wir würden uns wahrscheinlich schnell darauf einigen können, dass „Du sollst nicht töten“ ein gutes Gebot ist, „Du sollst dir kein Bildnis von mir machen“ hingegen ein ziemlich dämliches.

SPIEGEL: Aber vielleicht eignet sich der Glaube an einen Gott gut, um die Normen der jeweiligen Gesellschaft durchzusetzen?

Dawkins: Mit Bestechung und Angst, ja. Du bist ein guter Mensch, weil du Angst hast, dass Gott dich sonst bestraft. Falls das wahr wäre, falls die Menschen also nur aus Gottesfurcht gut wären, schiene mir das ziemlich unwürdig. Ich meine, würden Sie mit jemandem befreundet sein wollen, der nur aus Angst vor Gott gut ist?

Der gesamte Artikel ist sehr interessant. Er stellt auch die Frage, ob es vernünftig ist Kinder bereits als unmündige Menschen eine Glaubensdoktrin aufzuzwingen (wie z.B. die Taufe). Wen es interessiert, der liest hier!

Nachdenkliche Grüße

Christian

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Eine Antwort to “Glaube ist gefährlich”

  1. C.R. Matze Says:

    Guter Ansatzpunkt von Herrn Dawkins, wenn auch nur wieder an der Oberfläche gekratzt. Auch Gleichberechtigung oder die Abschaffung von Sklaverei und Folter kamen nicht einfach aus dem Himmel geflogen noch wurden die Intentionen dazu in einem Konsens an einem Tisch verhandelt. Ich möchte meinen dass der Wunsch nach diesen Dingen aus einem schon vorhandenen (wenn auch vielleicht nicht ganz so ausführlichen) ethischen Wertesystem stammen. Müßig wird bloß zu ergründen woher dieses dann kam (Henne oder Ei-Diskussionen führen selten an ein Ziel).

    Wie dem auch sei, auch ich bin kein großer Freund der Religionen, die für mich in der heutigen Zeit vor allen Dingen einen viel zu institutionellen Charakter haben. Religionen spielen seither mit den Ängsten der Menschen, verdammen die Schuldigen und bieten sich selbst allzu oft als scheinheilige Retter an. Außerdem ist die Religion (bzw. deren Auslegung)gerade heutzutage nicht frei von fragwürdigen Einflüssen, da sie ja im Besonderen vor allem durch die Institution der Kirchen instrumentalisiert wird. Und diese sind nicht erst seit gestern auch Unternehmen, und somit wirtschaftlich und politisch wirkende Systeme. Und wie wir ja aus der Systemtheorie wissen ist ein grundlegendes Ziel und damit Mechanismus eines Systems die Selbsterhaltung. So ist es nicht verwunderlich dass der Einfluß der Religionen in der Politik wieder spürbar wächst, die oft geforderte Trennung zwischen politischer Macht und geistiger Vollmacht ist unnachvollziehbar und intransparent geworden. Die Religionsvertreter wirken dast lobbyistisch auf die Politik ein. Vergessen wir nicht: die Religionsfreiheit ist ein grundlegendes und wichtiges Gut in unserer Rechtsgemeinschaft, aber Religionen steht nunmal kein staatliches Mandat zu, genauso wenig wie dem Staat ein religiöses Mandat zusteht.

    Also, ganz wie es die Schwoben oder de Hesse zu sagen pflegen: leben und leben lassen!

    \m/

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